Kundenbrief von Geschäftsführer Marcus Häusler

Sehr geehrte Kunden, liebe Sportler,  

wir haben mit dem SOCCATOURS Reiseguthaben eine vorläufige Antwort auf die von der Corona-Pandemie gestellte Herausforderung gegeben. Sie haben dazu zu Recht eine Vielzahl an Fragen an uns gestellt, die wir auf der Infoseite SOCCATOURS Reiseguthaben beantworten.

Ich möchte aber gerne noch einige persönliche Worte an Sie richten und Ihnen einige Hintergrundinformationen aus meiner Veranstalter-Perspektive liefern, die das Dilemma der internationalen Reisewirtschaft eventuell etwas deutlicher veranschaulichen können:

CEO Marcus Häusler FIFA Match Agent

EU-Pauschalreiserichtlinie und Umsetzung in deutschem Recht

Nach der derzeit gültigen EU-Pauschalreiserichtlinie haben Pauschalreise-Kunden unbestritten das Recht, Anzahlungen zurückzufordern und Reiseveranstalter die Verpflichtung, diese innerhalb von 14 Tagen nach Kündigung zu erstatten. Die Problematik dabei ist, dass die Reiseveranstalter ihrerseits Anzahlungen an Leistungserbringer getätigt haben (Airlines, Busunternehmen, Hotels, Destination Management Companies, etc.) und diese Zahlungen von dort derzeit nicht zurückerhalten – obwohl diese Leistungserbringer ebenso zur Rückzahlung verpflichtet wären. Viele unserer Hotelpartner sind wegen ausbleibender Gäste bereits per definitionem insolvent, von der Lufthansa erhalten wir selbst nur Gutscheine.

Das führt dazu, dass auch viele Reiseveranstalter und Reisebüros derzeit akut insolvenzgefährdet sind. Es ist zwar richtig, dass Reiseveranstalter gegen Insolvenz versichert sind (dafür haben Sie den Reisepreissicherungsschein von uns erhalten), allerdings gilt das in dieser Pandemie nur in der Theorie, denn dieses System ist nicht für einen solchen Super-GAU konzipiert:

Wegen der schlampigen Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht sind nämlich nur EUR 440 Millionen an Kundenzahlungen versichert – aber es sind über EUR 5 Milliarden bezahlt worden. Jeder Versicherer (davon gibt es in Deutschland vier) muss nämlich nur bis maximal EUR 110 Millionen pro Jahr haften. Dieses System ist bereits bei der Thomas Cook-Pleite im vergangenen September an seine Grenzen gestossen – die Schweizer Zurich Versicherung hat vom EUR 287 Millionen-Gesamtschaden nur ebenjene EUR 110 Millionen übernommen -, weshalb die Bundesregierung bzw. der Steuerzahler für den Rest einspringen musste.

In der Realität hat das nun zur Folge, dass, wenn alle Reisekunden ihre Zahlungen zurückfordern würden, mehr oder weniger ALLE Reiseveranstalter und Airlines in Deutschland (ja, auch die TUI und die Lufthansa, die bereits Staatsgarantien bekommen haben) unverzüglich in die Insolvenz rutschen. Die Zahlungen der Kunden sind aber nur zu etwa einem Zehntel versichert.

Aber selbst wenn – was wäre die Folge? Kunden bekämen zwar ihr Geld, die vielfältige deutsche Reisewirtschaft würde aber durch Masseninsolvenzen hinweggefegt. Veranstalter und Reisebüros wären sofort pleite, kurz danach auch Hoteliers und Airlines. Denn die gerichtlich eingesetzten Insolvenzverwalter wären verpflichtet, die Gelder auf juristischem Weg zu einzutreiben – was aber keiner mehr bezahlen kann. Die Arbeitslosigkeit in der Branche würde steigen, die reale Kaufkraft der Konsumenten sinken. Und Monopole entstünden, die zu noch höheren Preisen führen würden.  

Ungeliebte Gutschein-Lösung

Die Bundesregierung hat dieses Problem erkannt und deshalb (wie auch in Italien, Frankreich und Belgien) als am schnellsten umzusetzende Lösung die Gutschein-Variante auf den Weg gebracht, die vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Weil die EU-Pauschalreiserichtlinie davon betroffen ist, muss die EU allerdings eine solche Lösung billigen, was sie bisher nicht getan hat. Allerdings wird unter Hochdruck an Alternativen gearbeitet.

Niemand in der Reisebranche ist glücklich mit dieser Lösung. Keiner von uns will seine Kunden als Kreditgeber mißbrauchen – kein Hotelier, keine Airline, kein Reiseveranstalter (übrigens auch kein Konzert- oder Festivalveranstalter und kein Theater, für die die Gutschein-Lösung bereits gültiges Recht ist). Aber wir kämpfen ums Überleben (weil wir selbst kein Geld erstattet bekommen), damit letztendlich doch alle Kunden ihr Geld zurückbekommen oder verreisen können. Die Gutschein-Lösung ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluß und kann nur eine Übergangslösung sein. Letztendlich muss ein EU-Recht entsprechender staatlicher Garantiefonds geschaffen werden, damit Kunden, die ihr Geld erstattet haben wollen, das auch schnell bekommen.

Wir Reiseveranstalter sehen uns eigentlich auf der Seite unserer Kunden stehen, aber die Politik (insbesondere die EU-Kommission) ist viel zu zögerlich.

In der Zwischenzeit ist die Gutschein-Lösung leider die einzige Alternative, die zugegebenermaßen von allen Beteiligten ein hohes Maß an Solidarität einfordert. Es ist nicht so, dass die Reisewirtschaft nicht zahlen will, sie kann es schlichtweg (noch) nicht – das gilt nicht nur für uns, sondern global für die weltweite Tourismus-Industrie.

Wir haben uns aber als Plan B entsprechende Kreditlinien bei unseren Geldgebern und Hausbanken gesichert, um unsere Liquidität zu gewährleisten. Ich gehe davon aus, dass noch im April eine Entscheidung der Politik kommt, wie die Entschädigung der Reisekunden im Allgemeinen vonstatten gehen kann. Selbst wenn die Gutschein-Lösung kommen würde, ist eine Härtefall-Regelung angedacht, die eine Auszahlung möglich macht. Das wäre selbstverständlich auch in Ihrem Fall zu prüfen. Für den Fall, dass keine Entscheidung der Politik kommt, werden wir ab Anfang Mai zukzessive mit der Auszahlung der Kundenguthaben beginnen. 

Silberstreif am Horizont

Wir wissen, dass wir branchenweit das beste Team mit der besten Produktkenntnis haben. Die Krise wird irgendwann vorbei sein. Deshalb treffen wir in der Zwischenzeit die Vorbereitungen, um für die Zeit danach so gut wie möglich gerüstet zu sein. Wir haben da schon Einiges im Köcher – darauf können Sie sich echt freuen!

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